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Are you stupid? The milk lobby thinks you are.
who are you calling stupid

Am 23. Oktober 2020 stimmte das Europäische Parlament für den Änderungsantrag 171 und wenn er angenommen werden sollte, wird das massive Konsequenzen für die pflanzenbasierte Lebensmittelindustrie und die wachsende Zahl von Verbraucher*innen haben, die sich für pflanzliche Produkte entscheiden - ganz zu schweigen von der Tatsache, dass 171 den eigenen Klimazielen der EU völlig widerspricht.

a few examples

Beispiel 1

does not contain milk

Beispiel 1

Informative Beschreibungen wie „enthält keine Milch" können nicht für Produkte verwendet werden, die… naja, keine Milch enthalten.

Beispiel 2

alternative to butter

Beispiel 2

Pflanzliche Produkte können nicht als „Alternative“ zu Milchprodukten bezeichnet werden.

Beispiel 3

Oatly - 75% less CO2e

Beispiel 3

Man kann den Klima-Fußabdruck nicht mehr (oder irgendwelche Vergleiche) zwischen pflanzlichen und Milchprodukten kommunizieren.

Beispiel 4

brand new design

Beispiel 4

Pflanzliche Produkte dürfen möglicherweise nicht einmal die gleichen Verpackungen wie Milchprodukte verwenden.

Moment mal, warum?

Naja, die kurze Antwort ist, dass die Milchlobby anscheinend glaubt, dass Ausdrücke wie „keine Milch" für dich als Verbraucher* in verwirrend sind. Wie sollst du z.B. erkennen, dass ein Produkt mit der Aufschrift „keine Milch" wirklich… keine Milch ist? Ja, knifflige Frage, nicht wahr? Oder auch nicht. Denn du bist natürlich nicht dumm.

Die Hintergrundgeschichte

Bei der laufenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU stehen verschiedene Verordnungen zur Diskussion. Eine davon ist die EU-Verordnung Nr. 1308/2013 über eine gemeinsame Organisation der Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO-Verordnung), die 2013 von der EU verabschiedet wurde. Diese Verordnung besagt zum Beispiel, dass Begriffe wie „Milch", „Käse" und „Joghurt" nur zur Bezeichnung von Produkten verwendet werden dürfen, die von Tieren stammen. Das bedeutet, dass es nicht erlaubt ist, ein pflanzliches Wort wie „Hafer" mit „Milch" zu kombinieren, um ein Produkt zu beschreiben.

Aber...

...die aktuellen Regelungen erlauben es immer noch, pflanzliche Produkte als „keine Milch" und „milchfrei" und „Joghurtalternative" zu bezeichnen - was dir als Verbraucher*in sicherlich sowohl logisch als auch hilfreich erscheint, oder?

this thing up here

Aber jetzt...

...versucht der Änderungsantrag 171, die bestehenden Beschränkungen auf die „direkte oder indirekte Verwendung" oder „Anspielung" von geschützten Begriffen, die sich auf Milchprodukte beziehen, auszuweiten - alles im Interesse des „Verbraucher*innenschutzes". Wofür, fragst du dich? Klare Informationen? Ja, anscheinend. Unabhängig davon, warum du dich dafür entscheidest, pflanzliche Lebensmittel zu kaufen, wird der Änderungsantrag 171 es schwieriger machen, solche Produkte zu identifizieren und sie objektiv mit Milchprodukten zu vergleichen. Und nebenbei bemerkt, die Zensur pflanzlicher Lebensmittel steht im Widerspruch zu der bestehenden EU-Gesetzgebung über Lebensmittelinformationen, die besagt, dass ihr Hauptziel darin besteht, „den Verbraucher*innen klare und zugängliche Informationen über Lebensmittel zur Verfügung zu stellen."

graphic chat bubbles

…und was ist mit dem Klima?

Auch die EU scheint verwirrt zu sein. Denn mit dem Änderungsantrag 171 widerspricht die EU ihren eigenen Nachhaltigkeitszielen. Als Teil des European Green Deals (der das Ziel hat, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen) verdeutlicht die „Farm to Fork“-Strategie, dass die aktuellen Ernährungsgewohnheiten in der EU alles andere als nachhaltig sind und ruft dazu auf, zukünftig vermehrt auf pflanzliche Ernährung zu setzen - sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch für den Schutz der Umwelt. Der Änderungsantrag 171 stellt allerdings eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung und eine massive Barriere dar, sowohl für Konsument*innen als auch für den pflanzlichen Lebensmittelsektor in Europa.

and all this just because and all this just because mobile
milk cartons
are you stupid button

Aber hey, noch ist nichts entschieden!

Okay, das Europäische Parlament hat zwar für den Änderungsantrag 171 mit Ja gestimmt, doch es gibt noch immer eine Chance, dass die Änderung nicht ins Gesetz aufgenommen wird. Im nächsten Schritt finden Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, dem EU-Ministerrat und der Europäischen Kommission statt. Nach Einschätzung der Kommission sind keine zusätzlichen Einschränkungen für die Bezeichnung pflanzlicher Lebensmittel nötig und wenn der EU-Ministerrat das genauso sieht, kann es sein, dass der Änderungsantrag 171 doch noch abgelehnt wird.